In Trotz des gewaltigen ökonomischen Wachstums der letzten Jahrzehnte in Indien – vor allem in der Landwirtschaft und dem Dienstleistungssektor – lebt ein hoher Prozentsatz der Einwohner von Vijayawada in miserablen Notunterkünften, die aus Plastik - und Zeltplanen, Palmwedeln, Kartons und Lehm „gebaut“ werden und die Umgebung verschandeln. Solche Slums entstehen überall: rund um Märkte, um Busbahnhöfe, Sümpfe, in der Nähe von Lagerhäusern, an den Ufern des Krishna und an den vielen Kanälen der Stadt. 320.000 Menschen oder ungefähr 30 Prozent der Einwohner sammeln sich in über 220 Slums. Diese wuchernden Slums, die sich im Einzelnen stark unterscheiden, haben eins gemeinsam: sie verfügen über keinerlei Hygiene, kein Trinkwasser und keine sanitären Einrichtungen. Sie liegen oft in ungastlichen und schwierig zu erreichenden Teilen der Stadt. An solchen gottverlassenen Plätzen, wo die Eltern ihren Kindern nicht einmal das Notwendigste bieten können, sind die Kinder gezwungen, für sich selber zu sorgen, so gut sie können.

Die Menschen in den Slums gehören hauptsächlich zu den niedrigen Kasten oder sind sogenannte „Unberührbare“ oder Dalit. Viele von ihnen kommen aus „Tribal Communities“, sind also Ureinwohner des Subkontinents. Diese Menschen sind in die Städte gewandert, um Arbeit zu finden, haben aber nicht die notwendigen Fachkenntnisse, um einen gut bezahlten Job zu finden. 98 Prozent von ihnen sind Analphabeten; die meisten arbeiten als „coolies“/Träger am Bau, ziehen Rickshaws oder sammeln Müll. Die Frauen finden Arbeit auf dem Markt oder als Putzfrau und Hausangestellte.

Care & Share unterstützt Vijayawadas Slum-Bewohner seit 1992. Unsere Hilfe konzentriert sich in erster Linie auf die Slums Brahmarambapuram, Autonagar, Rajarajeswaripeta und Kandrika.

Kandrika: Es gibt zwei Kanäle, die durch Vijayawada fließen. Ursprünglich sollten sie Wasser aus dem Krishna zur Bewässerung der Felder ins Umland leiten; heute aber fließt das Abwasser der Millionenstadt in die Kanäle. Am Ufer des „Eluru Kanals“ zwischen dem Frachtbahnhof und dem staatlichen Krankenhaus lag der „Kalavakatta Slum“ (Kanalufer Slum), ein Slum von ca. 300 Hütten, die aus Bambus, Palmzweigen, Karton und Plastikplanen gebaut wurden. Die Hütten wurden gefährlich nah an den Hang des Ufers gebaut und deshalb häufig vom Wasser weggespült. Als ein Teil des städtischen Programms zur Beseitigung von Slums wurden im Mai 1999 die Hütten abgerissen und die Bewohner in einen Außenbezirk der Stadt umgesiedelt. Der Platz wurde Kandrika genannt. Ungefähr 1.000 Familien aus den Slums Autonagar, Krishnalanka, Ranigarithota und Kalvakatta wurden über Nacht ohne Vorwarnung umgesiedelt. Jeder Familie wurden 46 Quadratmeter Land zugeteilt, um dort eine Hütte zu bauen. Das Gebiet ist mittlerweile Wohnort für 3.500 Familien. Das Areal ist jedoch umschlossen von Entwässerungsgräben und daher verseucht von Stechmücken. Das gesamte Gebiet verfügt nicht über die geringste Infrastruktur.

Brahmarambapuram: Dieser Slum liegt am Ufer des Krishna gegenüber vom Busbahnhof von Vijayawada. Bis vor wenigen Jahren lebten dort ungefähr 3.500 Familien. Viele arbeiteten in den Sandgruben im Flussbett; andere be- und entluden LKWs. Die Familien leben in kleinen Hütten, die aus Palmblättern, Sackleinen, Plastikplanen und Kartonage gebaut werden. Es existiert keine Kanalisation im Slum und Schmutzwasserpfützen umgeben die Hütten. Es ist eine Brutstätte für Mücken, die gefährliche Krankheitsüberträger sind. Wegen der Mangelernährung leiden die Bewohner an unterschiedlichsten Krankheiten. Ein Teil des Slums ist vor kurzem durch ein Hochwasser des Krishna weggespült worden. Die lokale Regierung hat daraufhin die übrigen Hütten abgerissen. Aber ungefähr 500 Familien haben sich dem Evakuierungsbefehl widersetzt und leben wieder am Flussufer.

Autonagar: Liegt am Stadtrand von Vijayawada an der Straße nach Machilipatnam. Das Gebiet ist ungefähr 100 Hektar groß und hat seinen Namen von den unzähligen Autowerkstätten und kleinen Metallbetrieben der Gegend. Ungefähr 35.000 Leute arbeiten hier. Es wird geschätzt, dass ca. 7.000 Kinder unter 14 Jahren hier arbeiten. Um die 120 Familien leben hier in kleinen Hütten am Straßenrand. Die Behausungen haben keine Belüftung, kein fließendes Wasser und werden oft während der Regenzeit überflutet. Das Gebiet wird überzogen mit einer Rußschicht bedingt durch die zahlreichen Kohlefeuerstellen. Annähernd 300 Kinder leben in diesem Slum unter sehr unhygienischen Bedingungen. Ihnen fehlt Kleidung, Essen und medizinische Versorgung.

Rajarajeswaripeta: Der Slum liegt am nördlichen Stadtrand von Vijayawada. Im Dezember 2001 hat die Stadtverwaltung von Vijayawada versucht, 1.200 Familien aus den verschiedenen Slums an Straßenkreuzungen und besetztem Regierungsland umzusiedeln. So ist die Zahl der Familien im Slum Rajarajeswaripeta auf 3.500 angestiegen. Die Regierung hat aber lediglich Menschen von einem Slum in den nächsten verbracht, ohne die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Jeder Familie wurde eine Landparzelle von 35 Quadratmetern zugewiesen. Die Stadtverwaltung ließ 50 Brunnen bohren, um Wasser für den täglichen Bedarf zur Verfügung zu stellen. Es stellte sich heraus, dass das Wasser salzig war, weil die Brunnen nicht tief genug gebohrt worden waren. Das Wasser kann nur zum Baden und zum Waschen genutzt werden, es ist nicht trinkbar. Einmal am Tag schickt die Stadtverwaltung einen Tankwagen mit Trinkwasser in den Slum, aber die Bewohner beschweren sich, dass nicht genügend Wasser zur Verfügung gestellt wird. Toiletten existieren im Slum nicht und die Bewohner sind gezwungen die benachbarten Felder zu „nutzen“. Der Mangel an sanitären Einrichtungen führt zu ernsten Gesundheitsproblemen verbunden mit dem Fehlen jeglicher medizinischer Einrichtungen.

Alankar: Der Alankar Slum liegt an einem der Bewässerungskanäle, die abgeleitet vom Krishna, durch Vijayawada fließen. Es ist einer der ältesten Slums der Stadt. Die Familien, die in ihren kleinen, reetgedeckten Hütten leben, gehören zu den Budabukkala, Erukala, Yanadi und Dokkala Unterkasten; in der indischen Gesellschafts-Hierarchie gehören sie zu den untersten Kasten. Die meisten Familie sind im Rotlichtmilieu beschäftigt. Die Männer verdienen ihr Geld als Rickshaw-Fahrer und als Zuhälter, während die meisten Frauen als Prostituierte arbeiten. Die Kinder hier werden völlig vernachlässigt. Die Mädchen werden schon sehr früh zur Prostitution gezwungen. Die Jungen arbeiten in Weinläden und Teestuben, sie sammeln Müll oder verkaufen Drogen.

Vambay Colony: Wir haben erst vor kurzem angefangen, uns um diesen Slum zu kümmern. Nach einer Überschwemmung des Krishna Flusses wurden viele Bewohner aus Brahmarambapuram hier hin gebracht. Der Slum liegt auf einer Deponie. Ungefähr 3.500 Familien leben hier im Schmutz und verstreutem Müll.

Unsere Arbeit in den Slums

Medizinische Versorgung: Der Mangel an Hygiene, Kanalisation und fehlenden medizinischen Einrichtungen führt dazu, dass die Slumbewohner vielen, auch ansteckenden Krankheiten ausgesetzt sind. Mit der Zeit haben wir immer häufiger eingegriffen und die Menschen, ob Erwachsene oder Kinder, behandelt und geimpft. Unsere Ärzte besuchen wenigstens einmal in der Woche die größten Slums, um die Bedürftigsten zu behandeln und um Medikamente zu verteilen. Wir führen regelmäßig medizinische Camps durch, organisieren Impfprogramme, bieten freie Zahnbehandlung an und finanzieren hunderte von Operationen.

Alphabetisierung: Care & Share hat in jedem der großen Slums eine Schule gebaut, um sicher zu stellen, dass die Kinder, die sonst keinerlei schulische Ausbildung bekommen hätten, wenigstens die grundsätzlichen Lese- und Schreibfähigkeiten erhalten. In einigen der Slums sind unsere Schule die einzigen „richtigen“ Gebäude.

Milchverteilung: Seit Jahren verteilen wir Milch in den Slums. Ziel des Programms ist es, jedem Kind, das unsere Schulen besucht, ein Glas Milch pro Tag zur Verfügung zu stellen. Das hilft, um wenigstens einige negative Effekte der Unterernährung zu bekämpfen. Wir verteilen täglich 128 Liter Milch, die ca. 50 Euro kosten. Im Jahr geben wir ca. 19.000 Euro für das Milchverteilungsprojekt aus. Wir haben auch damit begonnen, Milch an 200 Neugeborene im Rajarajeswari-Slum zu verteilen. Die zusätzlichen Kosten betragen 20 Euro.

Hilfe zur Selbsthilfe: Wir unterstützen die Eltern, die im Slum leben, indem wir ihnen die Möglichkeit schaffen, ihre Kinder zu ernähren. Konkret haben wir vielen Slumbewohnern Rickshaws, eins der Hauptverkehrmittel in der Stadt, zur Verfügung gestellt, die rund 180 Euro kosten. Anderen, die als Früchteverkäufer oder als Bügler arbeiten, haben wir sog. „Pushcarts“ gegeben (ca. 180 Euro). In anderen Fällen wiederum haben wir Nähmaschinen (80 Euro) zur Verfügung gestellt.

































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