Im Jahre 1954 wurde in Vijayawada das „Observation Home for Juveniles“ eingerichtet; nach deutschem Recht eher eine Jugendarrestanstalt, als eine Jugendstrafanstalt für straffällig gewordenen Jugendliche. Das Gebäude ist ein heruntergekommenes dreistöckiges Gebäude im Zentrum von Vijayawada. Die Polizei bringt Jungen in das „Observation Home“ angeblich wegen kleinerer Gesetzesverstöße und einfach nur, weil sie sich am Busbahnhof oder Bahnhof herumgetrieben haben. Tausende Straßenkinder von Vijayawada könnten berechtigterweise ins „Observation Home“ gebracht werden. Historisch betrachtet handelt es sich bei der Mehrheit der einsitzenden Kinder und Jugendliche um Straßenkinder, die nie ein Verbrechen begangen hatten.

Die verschiedenen „Observation Homes“ fungieren als eine Art „Kinder-Gulag“, das steht in scharfem Gegensatz zu den ehrgeizigen und noblen Zielen, die im indischen Jugendstrafrecht (Juvenile Justice Act) formuliert werden. Das Leben hier ist fürchterlich. Ungefähr 130 Jungen werden ständig in einem Raum, der nicht größer als 65 Quadratmeter ist, zusammengepfercht. Es wird ihnen nicht erlaubt sich draußen aufzuhalten und sie haben keine Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen. Viele von ihnen werden acht Monate oder länger festgehalten, nach dem Gesetz ist das der Zeitrahmen, in dem der „Juvenile Welfare Board“ seine Untersuchungen abschließen muss. Häufig werden die Verfahren jedoch nicht in angemessener Zeit abgeschlossen.

Die Gesundheit der Kinder macht uns die größten Sorgen. Die Regierung gibt zwei warme Mahlzeiten am Tag, solche Mahlzeiten bestehen jedoch nur aus einer kleinen Portion gekochtem weißen Reis und Gemüsecurry. Darüber hinaus unterstützt die Regierung die Heime für maximal 100 Insassen. Wenn jedoch mehr als 100 Jungen im „Observation Home“ einsitzen, (was in der Vergangenheit häufig der Fall war), erhält jeder einzelne nicht die volle Ration. Viele von Ihnen zeigen sichtbare Zeichen von Unterernährung.

Die hygienischen Bedingungen sind unakzeptabel schlecht. Bevor Care & Share eingegriffen hat, „badeten“ die Kinder jeden Tag, aber alle Jungen teilten sich ein Stück Seife. Zum waschen bekam jeder ungefähr ein Glas Wasser. Zudem wechselten die Jungen nur unregelmäßig ihre Kleidung, nach Vorgabe einmal die Woche. Die Wächter kümmerten sich nicht um die Reinigung der Aufenthaltsräume und Bäder, die vor Läusen und Kakerlaken strotzen. Das Ergebnis ist ein unerträglicher Gestank. Alle Kinder haben Krätze. Einige leiden an schwerer Bronchitis und Fieber. Die Verwaltung des Heims hat nicht genug Geld, um Medikamente zur Verfügung zu stellen und nicht genug Mitarbeiter, um die kranken Kinder ins öffentliche Krankenhaus zu bringen. Ein Arzt, der von Care&Share bezahlt wird, besucht das „Observation Home“ einmal die Woche, um die Notfälle zu behandeln und die Impfungen zu überwachen. Es liegt auf der Hand, dass unser Eingreifen nicht vollständig die Schäden beheben können, die durch ständige Vernachlässigung an den Kindern verursacht werden.

Wir konnten nachweisen, dass systematischer körperlicher Missbrauch in der Einrichtung stattfindet. Die Wärter, die in ihrer großen Mehrheit als Gefängniswärter ausgebildet waren, behandelten die Jungen sehr schlecht und schlugen sie mit Gürteln, geflochtenen Telefondrähten und langen Bambusstöcken, die überall auf dem Gelände herum liegen. Einige der Jungen wurden gezwungen in unbequemer Haltung bis zu zwei Stunden still zu sitzen. Das waren Strafen für solch „schwerwiegende“ Vergehen, wie zum Beispiel lautes Lachen oder sprechen mit dem Nachbarn, wenn es nicht erlaubt war. Die Junge wurden natürlich geschlagen, wenn sie die unbequeme Position nicht halten konnten. Darüber hinaus werden kleinere Kinder von den älteren Jungen missbraucht. Durch immer wiederkehrende Schläge sollen die kleinen Jungen zu sexuellen Handlungen genötigt werden. Viele der missbrauchten Jungen haben eine lange Geschichte von Traumatisierungen hinter sich. Die zerstörten Familienverhältnisse hatten sie auf die Straße getrieben. Dort lebten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen und waren Opfer von Ausbeutung und Schikanen. Aber das war noch nicht das Ende der Leidenszeit, unter der Obhut des Staates im „Observation Home“ mussten sie die Erniedrigungen der ständigen Einschüchterung und des sexuellen Missbrauchs erleben.

Die Arbeit von Care&Share im „Observation Home“ begann auf Nachfrage des Leiters der Einrichtung im Mai 1999. Ursprünglich war das Ziel, das Leben der Kinder in der Einrichtung etwas besser zu machen. Care & Share lieferte die bitter notwendige medizinische Betreuung und Lebensmittel, um die verheerende Wirkung der Unterernährung und der mangelnden Hygiene abzumildern. Über Jahre hinweg haben unsere Mitarbeiter täglich Milch, Bananen und Kekse verteilt; bei zahlreichen Gelegenheiten haben wir auch Reis und Currygerichte für alle Kinder verteilt. Anschließend hat Care & Share wiederholt die sanitären Einrichtungen gesäubert und neu gestrichen, um sie komfortabler und hygienischer zu machen. Darüber hinaus haben wir die Jungen regelmäßig mit neuer Kleidung ausgestattet, in der Hoffnung, dass es ihnen erlaubt sei, die Wäsche häufiger zu wechseln.

Zusätzlich zur Versorgung der Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken kümmert sich Care & Share mit Sachmitteln und Personal, um die Kinder sinnvoll zu beschäftigen und ihnen auch etwas Unterhaltung zu bieten. Wir haben einen Fernsehapparat gestiftet und einige Spielzeuge. Viel wichtiger ist jedoch, dass Mitarbeiter von Care&Share sieben Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche im Observation Home verbringen. Sie unterrichten die Kinder im Lesen und Schreiben und bringen Ihnen einige grundsätzliche handwerkliche Fähigkeiten bei. Care & Share arbeitet auch daran, die bürokratischen Vorgänge zur Entlassung der Kinder und zur Rückgabe an die Eltern zu beschleunigen. 36 Jungen sind allein 2004 freigelassen worden.

Darüber hinaus unterstützt Care&Share den Leiter der Einrichtung dabei, alle Straßenkinder, die kein Verbrechen begangen haben, entweder zu entlassen oder in eine andere Einrichtung zu bringen. Einige werden zu ihren Familien zurückgebracht. Andere werden in „Daddy's Home“ untergebracht (bis jetzt haben wir über 130 Jungen auf unserem Campus aufnehmen können). Wieder andere werden in das „Juvenile Home” nach Eluru gebracht, wo die Lebensbedingungen merklich besser sind (Care & Share arbeitet auch hier, um die Bedingungen noch weiter zu verbessern). Gleichzeitig sind wir bemüht, Justiz und Polizei davon zu überzeugen, eher NGOs mit der Aufgabe zu betrauen, sich um die Kinder zu kümmern, die bisher ins „Observation Home“ gesteckt wurden. Solche Eingriffe haben Ergebnisse gezeigt, die bestenfalls als zufriedenstellend angesehen werden können. Heute leben nur noch 39 Jungen im „Observation Home“, von denen alle auf eine Gerichtsverhandlung warten.




 










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